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HUNDEPICKNICK
Mit den ersten
wärmeren Sonnenstrahlen scheint scheinbar wieder überall die
Picknick-Saison eröffnet. Für meine Hunde ist das ein Fest, denn
immer nur Frischfleisch, Gemüse, Markknochen und ähnlich gesundes
Zeug mag ja Hundehalter zufriedenstellen, aber ein ordentlicher Hund
wünscht sich doch vielfältigere Kost.
Leben in der
Großstadt macht’s möglich, denn der durchschnittliche Städter lässt
alles, was er nicht aufessen will, einfach unter sich fallen – am
Straßenrand, auf Grünflächen und unter Parkbänken – alte Pizza,
vergammelte Döner, angelutschte Bonbons, halbvolle Chipstüten.
Allein auf dem
kurzen Weg am Bahndamm heute früh haben meine Hunde Folgendes
gefunden: ein halbes Schulbrot, Linsensuppe mit Würstchen unter
einem Baum und ein paar Büsche weiter einen Haufen altes Brot. Auf
der Wiese dort fanden sie zwischen lauter Flaschen, mit denen sie
nichts anfangen konnten eine ganze Pizza. Mhhm. Mit Salami und
Karton. Den überließ meine Staffhündin Pepsi gnädig ihrem Kollegen
George zum Auslecken, sie selber musste sowieso schon dauernd
aufstoßen nach der halben Currywurst und den Erdnussflips, die sie
in den Büschen gefunden hatte.
Ich freue mich jetzt
schon auf den Sommer denn dann brauche ich meine Hunde viel
weniger zu füttern, weil sie sich bei jedem Morgenspaziergang den
Magen vollschlagen. In manchen Städten werden Gärtner und
Müllsammler für einen Sonderzuschlag schon im Morgengrauen
losgeschickt, um die nachfolgenden Parkbesucher nicht unnötig zu
erregen (wenn die erst wüssten, was da alles in den Büschen liegen
bleibt – aber das wissen eben nur Hundebesitzer. Und die, die sich
vorher in den Büschen herumgedrückt haben).
Gut das wir nicht in
Berlin wohnen, denn im Berliner Tiergarten zwischen Philharmonie und
Kanzleramt wird ab sechs Uhr morgens alles entfernt, was nicht
angewachsen ist, der Touristen wegen, oder um das ästhetische Gefühl
der Politiker nicht zu stören, wenn die aus dem Fenster der
Regierungsgebäude schauen. Andere Städte haben diesen Luxus nicht.
Dort wird der Müll von Wiesen, Bänken und aus Mülleimern nur zweimal
in der Woche entfernt. Die Hunde stört das nicht: Wenn es nach ihnen
ginge, würden die Städte gerade in diesem Bereich streng sparen und
die Resteverwertung komplett ihren kaniden Bewohnern überlassen.
Die Hundebesitzer
sind möglicherweise ein bisschen gestresst, weil sie ihren Hunden
ständig Plastikwurstpellen aus dem Rachen ziehen oder sie zum
Tierarzt fahren müssen, weil sie sich in zerschmissenen Wodka- oder
Bierflaschen die Pfoten aufgeschnitten haben, aber hey –
Hundebesitzer sind abgehärtet. Ich zum Beispiel bin es seit Jahren
gewohnt, für jeden einzelnen Hundehaufen im Umkreis von 15
Kilometern verantwortlich gemacht zu werden, auch für die, die
hinterlassen wurden, während ich nachweislich mitsamt meiner Hunden
verreist war. Man nennt das Sippenhaft.
Es wäre wahrscheinlich kleinlich, sich
Sippenhaft für Picknicker zu wünschen, oder? Aber wie wäre es mit
ein bisschen Leinenzwang für Griller?
SELBST IST DER HUNDEBESITZER
Ich mache jetzt alles selber. Ich schaffe meine Hunde ab.
Ich sehe das nicht mehr ein, dass ich die durchfüttere.
Das mache ich jetzt alles selber, was die bisher gemacht
haben.
Das kann ich auch.
Sabbern, das kann ich auch, vorm Schaufenster vom Fleischer.
Sabbern ist einfach. Das ist Anfängerstoff.
Andere Sachen, die hebe ich mir fürs
Fortgeschrittenenstadium auf.
Anderen Hunden am Popo rumschnuppern zum Beispiel.
Angefangen habe ich – noch vor dem Sabbern – mit dem Bellen.
Wie viele Hunde haben gelernt, Kommandos in unserer Sprache
zu verstehen, da ist es nur fair, wenn mal einer von uns versucht,
denen ihre Sprache zu erlernen.
Also ich jetzt.
Wenn das nicht klappen würde, das hieße ja, dass Hunde
intelligenter wären als Menschen, weil es etwas gibt, das sie lernen
können, umgekehrt wir aber nicht.
Keine Ahnung, ob das jetzt so ein positives Licht aufs
Menschengeschlecht wirft, dass ausgerechnet ich deren erster
diplomatischer Vertreter in der Tierwelt bin.
Ich habe schon viele Hunde angebellt. Wirklich sehr viele.
Aber nie haben sie mich verstanden. Obwohl es das Erste war, womit
ich begann, muss ich selbstkritisch anmerken:
Die Sprache der Hunde verstehe ich noch immer nicht.
Dafür kann ich jede Menge Kunststücke.
Ich kann Männchen machen, Pfötchen geben und Stöckchen
holen.
Ich kann sogar Stöckchen werfen.
Welcher Hund kann das schon?
Ich kann mir vierstellige PINs merken.
Ich könnte mir sogar fünfstellige PINs merken, aber ich will
nicht angeben.
Ob ich mir eine sechsstellige PIN merken könnte, da bin ich
mir nicht so sicher.
Ich wüsste jetzt auch nicht, wozu das gut sein sollte.
Heutzutage verlangt man Dinge von den Hunden, das ist schon
verrückt.
Völlig neu ist das für mich nicht, das zu machen, was der
Hund macht.
Ich liege rum und döse, den halben Tag. Dann gehe ich auf
Toilette und legte mich wieder hin.
Zwischendurch suchte ich nach Futter.
Jetzt also Hund.
Vielleicht habe ich ja einen evolutionären Schritt gemacht,
vom Mensch zum Hund.
Mal sehen, was als Nächstes kommt.
Fliegen, so wie ein Fliegender Hund?
Oder schwimmen wie ein Seehund?
Obwohl, sollte Hund wirklich die Weiterentwicklung des
Menschen sein?
Also, die Sache mit der Toilettenbenutzung, das hat die
Katze besser raus.
Und ich will mich ja auch weiterentwickeln, eigentlich.
Oder nö, Quatsch, ich will mich überhaupt nicht
weiterentwickeln.
Ich will einfach bloß die Viecher nicht mehr durchfüttern.
Darum mache ich das jetzt ganz alleine, was die bisher
gemacht haben.
Ich glaube, wo ich schon mal dabei bin, mache ich auch noch
das, was die Pflanzen bisher getan haben.
Brauche ich die nicht mehr zu gießen, trinke ich das alles
selber.
Hocke ich den ganzen Tag auf dem Fensterbrett. Und welke
dahin.
Jetzt suche ich bloß noch jemanden, der das erledigt, wozu
ich nicht mehr die Zeit finde, also jemanden, der es übernimmt, das
zu tun, was ich bisher gemacht habe. Das ist nicht viel.
Interessenten melden sich bitte mit Foto. Ich will ja nicht von
jemandem vertreten werden, der die hohen visuellen Standards
unterläuft, die ich gesetzt habe. Und bitte nur ernst gemeinte
Zuschriften.
Sonst lasse ich den Hund von der Leine.
Und das möchte ich eigentlich nicht. Denn dazu bin ich
eigentlich zu bequem.
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DIE NAMEN UNSERER HUNDE
Schäferhunde heißen Rex. oder, wenn sie Hündinnen sind,
Asta.
Nicht alle, aber gefühlte 75 Prozent.
Hundehalter sind - was die Namensgebung betrifft - sehr
kreativ.
Beginnen wir mit den exotischen Kreationen: Nayeli, Shasta
(Rüde), Shunyata oder Samia.
Wenn man die Aussprache erklärt bekommt und weiß, welche
Silbe zu betonen ist, sind das klangvolle Namen, die auch alle einen
tieferen Sinn haben, der mir aber inzwischen wieder entfallen ist.
Ein Erklärungsansatz für solche Namen ist möglicherweise der
Versuch, der Einzigartigkeit des Hundes Ausdruck zu verleihen.
Diese Namen sind Namen und keine Sammelbegriffe.
Womit wir bei der zweiten Kategorie wären: beliebte Namen
Die Hitliste wird angeführt von Sam(my) (15 mal vertreten), gefolgt
von Lilly (in unterschiedlichen Schreibweisen insgesamt 14 x
vertreten), Paula und Paul (11 mal vertreten) und Emma (10 mal
vertreten). Lucky (9), Luna (7), Murphy, Bobby, Charly, Maja (je 6)
sind weitere häufig vergebene Namen.
Damit macht man als Halter nichts falsch, läuft aber Gefahr,
beim Herbeirufen des Hundes ganze Rudel anzulocken und sollte
deshalb immer etwas mehr Leckerlis in der Tasche haben, als der
eigene Hund verputzen kann.
Selbstverständlich sind auch alle Sammys und Lillys
einzigartige Wesen; ihre Halter legen nur weniger Wert darauf, diese
Tatsache zu betonen.
Dann gibt es noch die originellen Namen: Meine persönliche
Hitliste wird hier ganz klar von Dr. Oetker angeführt, wobei ich
mich bis heute nicht entscheiden kann, ob diese Bezeichnung
tierschutzrelevant ist und eigentlich ein Schmerzensgeld in Höhe
einer Sonderration Pansen täglich nach sich ziehen müsste.
Auch Bac fällt in diese Kategorie. Klingt irgendwie
vertraut, aber eher im Zusammenhang mit unwiderstehlich duftenden
Männern.
Oder Floppy: die Älteren und Alten unter uns erinnern sich
dunkel - so bezeichnete man vor gefühlten 300 Jahren Speichermedien
für Computer.
Pommes hingegen ist im Hinblick auf einen zweifarbigen, bei
großzügiger Auslegung rot-weißen Staff, ein Volltreffer.
Florisan hätte ich persönlich eher für ein
Pflanzenschutzmittel oder eine Bachblütenmischung gegen Reizhusten
gehalten.
Cornetto klingt klasse, und legt die Vermutung nahe, dass
die Namensgebung im Hochsommer bei Temperaturen jenseits der 30°
erfolgt sein muss.
Bleiben wir bei den süßen Dingen des Lebens: Smartie -
herzallerliebst!
Sonderfälle: Während die Aussprache englischer Namen im
deutschsprachigen Raum im Allgemeinen kaum Probleme bereitet, stößt
bei französischen Namen so mancher schnell an Grenzen.
Noël, ein wunderschöner Name, klingt dann plötzlich wie "Nöhl".
Eine Kollegin nannte kürzlich einen Rüden Sören.
Mit diesem Namen assoziiere ich weitgehend unerzogene
Kinder, deren Eltern stets bemüht sind, die freie Entfaltung des
Nachwuchses sicherzustellen, wobei damit verbundene erhebliche
Einschränkungen im Umfeld dieser Wesen mit stoischer Ruhe in Kauf
genommen werden. Ich denke darüber nach, wie lange Sören wohl
braucht, bis er seinen Namen tanzen kann.
Pünktlich zur WM dachten Hundebesitzer, dass Fußballernamen
vielleicht eine gute Idee sind. Poldi ist ja noch ok, aber kann man
einen Hund Schweini nennen?
Oder Lahm? Oder Neuer?
Die Ausbeute im deutschen Kader war mager, also wandte ich
mich anderen Mannschaften zu. Zu diesem Zeitpunkt war der Verlauf
der WM nicht abzusehen und ich hielt tatsächlich noch für
wahrscheinlich, Weltmeisternamen zu erfinden: Messi, Veron, Cole,
Wayne, Terry, Ronaldo...
Das hat auch nicht wirklich funktioniert. Engländer,
Portugisen und Argentinier flogen in die Heimat - mit dramatischen
Auswirkungen auf die Haltbarkeit mancher Namenskreationen: Ronaldo
wurde zu Ronny, Veron wurde Schnuppsi gerufen (nein, das
kommentiere ich nicht!).
Ob sich Wayne, Terry und Cole aber langfristig durchsetzen
werden, bleibt abzuwarten.
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WIE DIE MEISTEN LEUTE
habe ich Hunde, weil sie so aufrichtig und
begeisterungsfähig sind.
Man kann zu seinem Hund völlig blödsinnige Dinge sagen und
er wird einen mit einem Gesichtsausdruck ansehen, der sagt: ,,Mein
Gott, du hast so RECHT. Wie KLUG du bist!"
Deshalb halten wir unsere Hunde für intelligent und
übersehen ganz, dass sie den Großteil ihrer Freizeit damit
verbringen, einander mit der Nase am Hinterteil des andern zu
umkreisen.
Hinter ihrem seelenvollen Blick vermuten wir tiefe Gedanken
– und weil der Durchschnittshund recht wortkarg ist, kann er uns
kaum eines Besseren belehren.
Ich bin mir inzwischen nicht mehr sicher, ob meine Hunde
besonders klug sind.
Mir scheint, dass es mit Hunden so ist wie mit manchen
Menschen: Nur weil sie Besonders gut aussehen, sind sie noch längst
nicht in der Lage, ihre Gedanken sinnvoll aneinander zu reihen.
Solange sie dabei allerdings hübsch sind, verzeiht man ihnen
das leichter.
Wie schlau Hunde sind, lässt sich anfangs schwer sagen,
solange man sich noch in der –Braaaaver Hund!- Phase befindet, in
der man den Babyhund für ein Genie hält, weil er mal nicht auf den
Teppich gepieselt hat.
Mein Staff Pepsi ist tatsächlich so klug, wie sich das für
ihre Rasse sprichwörtlich gehört. Bei meinem Dogo George
befürchte ich inzwischen, dass da außer Charme nicht viel mehr ist,
trotz seines äußerst aufmerksamen Gesichtsausdrucks. Ich dachte,
dies hieße, dass er jedes kleinste Detail seines Umfelds absorbieren
und scharfsinnig analysieren könne wie Lassie: Die guckte auch immer
so wach. Vielleicht schien das auch nur so, weil sie bei einer
Familie von Vollidioten lebte.
Wissen Sie noch?
Ständig geriet einer von denen in den Treibsand oder unter
einen Traktor und Lassie rannte nach Hause, um die anderen zu Hilfe
zu holen, zerrte an ihren Ärmeln und jaulte erbarmungswürdig.
Jedes Mal wurde sie erstaunt betrachtet und gefragt:, ,Was
ist denn, Lassie? Ist etwas passiert? Meint ihr, sie will uns etwas
zeigen?" - als wäre dies das erste Mal und nicht schon die 190.
Folge. Ich weiß nicht, wie diese Familie jemals dazu kam, ihre Ernte
einzufahren, bei der ganzen Zeit, die sie im Treibsand verbrachten.
Wahrscheinlich überlebten sie nur aufgrund staatlicher
Landwirtschaftszuschüsse, die Lassie für sie beantragte.
Unsere Pepsi scheint nicht ganz so schlau zu sein wie Lassie.
Sie sieht zwar ausgesprochen pfiffig aus, aber in
Wirklichkeit beschäftigt sie nur eine Frage: ,,Hä?" Z.B. saß Pepsi
sehr pfiffig aussehend im Garten, als eine Maus
direkt an ihr vorbeilief.
Nach einer kurzen Verzögerung, während ihr Nervensystem die
Botschaft, dass irgendetwas los sei, per Fußboten zu ihrem Hirn
transportierte, starrte Pepsi in voller Actiondog-Haltung genau in
die entgegengesetzte Richtung: ,,Hä?"
Auch George hat neulich bewiesen, dass er trotz faltiger
Denkerstirn eher schlicht veranlagt ist. Ich hatte Besuch,
den
er eine halbe Stunde lang überhaupt nicht
bemerkte, während wir plaudernd mit Kaffee am Esstisch
saßen.
Als George den Besuch registrierte geriet er so in Raserei,
als wäre gerade die Charles-Manson-Bande bei uns eingebrochen.
Ich werde bald noch mal den Hunde-Intelligenztest machen,
bei dem man dem Hund einen Ball zeigt und ihn dann unter einer Decke
versteckt. George hat
den Ball noch nie gefunden, eigentlich fand er noch nicht mal die
Decke.
Mit Hunden ist es eben wie mit Menschen.
Stille Wasser sind nicht unbedingt tief. Manchmal sind sie
einfach nur still.
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